22. SONNTAG im Jahreskreis

Erste Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia (20,7-9)

Evangelium nach Matthäus (16,21-27)

 

Es sind starke Worte, die der Prophet Jeremia da ausspricht. Er fühlt sich bedroht. Er muss den Hohn und Spott seiner Mitmenschen ertragen, mit dem sie ihm infolge seiner Verkündigung begegnen. Aber er fühlt sich von Gott so stark angesprochen, dass er sagt: Gott hat ihn „betört“, ihn „gepackt“ und „überwältigt“, sodass er nicht anders kann als in seinem Dienst aufzutreten. Er kann nicht anders, er muss es tun. Gottes Einladung brennt im Innern des Propheten.

Nicht umsonst heißt ja das erste Gebot im Alten wie im Neuen Testament: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“. Das ist Leidenschaft für Gott. Wer Gott leidenschaftlich liebt, kann gar nicht anders, als etwas zu riskieren für ihn, auch wenn es weh tut.

Das ist auch das Schicksal und die Erfahrung von Jesus. Es geht um seine Treue zu Gott. Er will sich von nichts und niemandem davon abbringen lassen. Er will in seinem Leben Gott den Vorrang geben und zwar bedingungslos. Er weiß, dass es gefährlich für ihn ist, nach Jerusalem zu gehen. Er weiß: Wenn er nach Jerusalem geht, dem großen religiösen Zentrum, wird es Schwierigkeiten, Konfrontation und Konflikte mit den Mächtigen, mit den Hohen Priestern. geben. Es wird eine Sache auf Leben und Tod. Jesus hätte dem auch ausweichen und so sein Leben retten können. Aber durch Flucht und Rückzug würde er sich selbst und seine Sendung verraten. Jesus geht nicht nach Jerusalem, weil er das Leiden und den Tod sucht. Er nimmt es in Kauf, aus Treue zu seiner Aufgabe. „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“

Deswegen fährt er Petrus so hart an, obwohl Petrus es doch gut mit ihm meint. Aber Jesus muss mit seiner Botschaft von Gott nach Jerusalem, das Zentrum des jüdischen Glaubens gehen, koste es was es koste. Und sei es auch sein Leben.

„Wer sein Leben um jeden Preis festhalten will, der wird das Leben verfehlen, wer aber sein Leben für mich einsetzt, der wird das wirkliche Leben finden.“ UndWas nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein wirkliches Leben einbüßt?“ Ist das nur ein Wortspiel? Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Ich bin gekommen, damit ihr das Leben habt und zwar in Fülle“.

 
Das Leben in Fülle ist ein anderes als was man uns in dieser Welt glauben lassen will.
Die Lebensprinzipien dieser Welt, lauten: Man soll immer nur auf eigene Vorteile bedacht sein, auf Prestige, Macht und gnadenlose Konkurrenz. Man soll seine Interessen wenn nötig sogar mit Gewalt durchsetzen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Dagegen predigt Jesus: „Wer sein Leben, in dem es nur um das eigene Ich geht, um jeden Preis festhalten will, der wird es verfehlen.“

Das ist die Botschaft Jesu an uns: Das Leben werden wir nur gewinnen, wenn wir uns radikal mit Gott einlassen, im Sinne Gottes leben und deswegen auch andere Werte anstreben: füreinander da sein, sich füreinander einsetzen. Und wo es notwendig ist, sollen wir deswegen die eigenen Interessen hintanstellen. Das ist das Lebensmodell, das Jesus vorlebt und anpreist. „Behandle jeden so, wie ihr von ihm behandelt werden wollt.“ Wir können vielleicht sagen: Gott wollte in seiner Schöpfung eine „Kurskorrektur“ anbringen und deswegen hat er uns Jesus, mit dieser Botschaft, gesandt.

Aber das ist nicht einfach. Wenn man so lebt, muss man mit Schwierigkeiten rechnen. Nachteile, Spott, Unbequemlichkeiten und scheinbare Verluste, alle möglichen Formen des Kreuzes, in Kauf nehmen. Ihnen nicht ausweichen und konsequent den Weg Jesu, den Weg der Liebe und Gerechtigkeit, den Weg zum Reich Gottes gehen. „Wer aber dieses Risiko nicht eingehen will, wer sein Leben um jeden Preis nur für sich festhalten will, der wird das echte Leben verfehlen“, sagt Jesus.

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